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Textprobe:
Kapitel 3, Standards, Interoperabilität und OpenSource:
Dieses Kapitel befasst sich mit Standards, Interoperabilität und OpenSource.
Im ersten Teil des Kapitels liegt der Fokus auf standardisierende nationale und internationale Gremien, ihre jeweiligen Aufgabenfelder und ihre Zusammenarbeit im Bereich der Geoinformation. Zudem werden Aussagen zu Standards, Verfahren und Methoden zur Realisierung der deutschen eGovernment Initiativen getroffen.
Interoperabilität als Voraussetzung für den vernetzten Zugang und Zugriff zu / auf Geoinformationen wird nur durch den konsequenten Einsatz von Standards und Spezifikationen erreicht. Der zweite Teil des Kapitels stellt die von den vorgenannten Gremien definierte Standards vor, zeigt ihre Einsatzbereiche auf und ordnet sie Interoperabilitätsebenen zu. Es handelt sich um allgemeine IT- und GIS-Standards sowie Standards die Geobasisdaten betreffend. Einige Standards bezüglich der Kommunikation, der Datenpräsentation und der Datenformate werden kurz, andere hingegen die Services, insbesondere die Semantik sowie die Geobasisdaten angehend, ausführlicher vorgestellt.
Der dritte Teil des Kapitels enthält Informationen zu OpenSource. Gerade im Bereich der Realisierung von OGC Spezifikationen existieren eine Vielzahl von Programmen und Bestrebungen, die eine genauere Betrachtung rechtfertigen. U.a. wird auf den UMN MapServer mit seinen Betriebsmodi, seinen wesentlichen Komponenten und Funktionen eingegangen. Der Einsatz des UMN MapServers wird in Kapitel 5 Implementierung anhand von vier technischen Prototypen beschrieben.
Standardisierende Gremien:
Mit Standards und Spezifikationen werden Grundregeln festgelegt, die für unterschiedliche Anwendungsbereiche gelten. Je nach Anwendungsschicht werden Schnittstellen definiert, Kommunikationsprotokolle beschrieben, Austauschformate vorgegeben, Zugriffe auf Daten (-banken) festgelegt oder Dienste spezifiziert. Verschiedene Organisationen tragen dafür Verantwortung und regeln die diesbezüglichen Handlungsweisen. Der Bedarf nach festen Regeln ergibt sich aus den Anforderungen nach einheitlichen und verlässlichen Vorgehensweisen, die durch die beteiligten Hersteller, Nutzer oder Organisationen erhoben werden.
Für den Bereich der Geodateninfrastruktur und der nationalen Geo(basis)daten existieren im Wesentlichen drei Standardisierungsgremien, die nachfolgend vorgestellt werden. Danach folgt die Vorstellung von technischen Rahmenbedingungen, die für die öffentliche Verwaltung von Bedeutung sind.
ISO:
Die International Organization for Standardization (ISO) wurde 1946 gegründet und hat ihren Sitz in Genf. Sie hat mehr als 148 Mitglieder, die ihrerseits nationale Normierungsinstitute sind; das Deutsche Institut für Normung e.V. ist der nationale Vertreter. In allen technischen Bereichen, mit Ausnahme der Elektronik und Elektrik, erarbeit sie internationale Normen, die sich in technische, klassifikatorische und Verfahrensstandards unterteilen. Durch weltweit einheitliche Normen verfolgt sie zwei Kernziele:
- den internationalen Austausch von Gütern und Dienstleistungen zu erleichtern.
- durch die Beseitigung technischer Handelshemmnisse sollen internationale Normen den weltweiten Handel vereinfachen und so das Wachstum der Weltwirtschaft fördern.
Die mehr als 180 Technical Committees (TC), Subkommittees mit den daran angeschlossenen Working Groups (WG) haben bisher [iso] mehr als 13.700 weltweit gültige Normen erlassen. Das Normungsverfahren umfasst sechs Schritte:
- Vorschlag für eine Norm, proposal stage, NWIP.
- Vorbereitung der Norm, preparatory stage , WD.
- Kommiteebearbeitung der Norm, comitee stage, CD.
- Erkundigungen werden eingeholt, enquiry stage, DIS.
- Genehmigung der Norm, approval stage, FDIS.
- Publikation der Norm, publication stage, IS.
Hierbei wechselt jedes Mal der Status: von dem New Work Item Proposal (1), über den Working Darft (2), den Comitee Draft (3), den Draft International Standard (4), dem Final Draft International (5) bis hin zum International Standard (6).
Das Technsiche Komitee ISO/TC 211 mit der Normengruppe ISO 191xx ist verantwortlich für den Bereich Geoinformation und Geomatik. Die Normungsinhalte reichen über Geometriegrundtypen für ein- bis dreidimensionale Geometrien und Topologien, Modelle zur Beschreibung von Referenzsystemen, die Qualität von Geodaten bis hin zur Auflistung von notwendigen und freiwilligen Angaben zu Metadaten.
Als konzeptionelle Beschreibungssprache der Modelle und Konzepte wird die UML eingesetzt und der Datenaustausch ist mit XML festgelegt.
Die ISO arbeitet neben den nationalen Normierungsinstituten mit dem Europäischen Komitee für Normung, dem Comité Européen de Normalisation (CEN) und das ISO/TC 211 mit dem OGC seit 1998 zusammen. Die Koordinierung der Zusammenarbeit mit dem OGC übernimmt die ISO/TC 211 – OGC coordination group (TOCG).
OGC:
Das Open Geospatial Consortium (OGC), bis Oktober 2004 OpenGIS Consortium, ist eine Non-Profit-Organisation (NPO), die sich aus über 270 Soft- und Hardware-Herstellern, Behörden, Universitäten, Forschungslabors, Instituten sowie der Industrie zusammensetzt. Sie hat das Ziel, Grundlagen für einheitliche und interoperable Zugriffsmethoden auf raumbezogene Informationen zu entwickeln und teilt sich hauptsächlich in das Technical, Planning und Strategic Management Advisory Committee auf. Daran angeschlossen existieren weitere Gruppen und Subgruppen.
Der OGC Technology Development Process definiert im Rahmen des Specifications Program (SP) zwei Arten von Spezifikationen:
- Abstrakte Spezifikationen und Implementierungsspezifikationen.
Der Zweck einer abstrakten Spezifikation (1) liegt darin, ein konzeptionelles Modell zu beschreiben, welches die Erstellung einer Implementierungsspezifikation ermöglicht. Eine abstrakte Spezifikation besteht aus zwei Modellen: a) dem Essential Model, dessen Zweck in der konzeptuellen Beschreibung der Zusammenhänge zwischen dem Software Design und der realen Welt besteht sowie b) dem Abstract Model, welches das zukünftige Softwaresystem implementierungsunabhängig beschreibt. Implementierungsspezifikationen (2) sind eindeutige Technologiespezifikationen zur Realisierung von Anwendungen oder Programmierschnittstellen. Die Implementierungsspezifikationen selbst unterscheiden sich nochmals in Approved bzw. Adopted, Candidate und Planned Implementation Specifactions.
Um die Spezifikationen ineinander zu überführen bzw. um Rückmeldungen einzuarbeiten, werden beim OGC Technology Development Process drei Arten von Requests benötigt:
- Request for Proposal.
- Request for Comment.
- Request for Information.
Gegenwärtig existieren 14 Implementierungsspezifikationen. Hervorzuheben sind:
- Web Map Service.
- Web Feature Service.
- Simple Features – SQL.
- OpenGIS Location Services.
- Coordinate Transformation Services.
- Geographic Markup Lamguage.
Der WMS sowie der WFS als OGC Web Services (OWS) bilden die Kern GI-Dienste für den Aufbau von GDI und werden im Anschluss näher betrachtet. Neben dem SFS existieren zudem APIs für Simple Features - CORBA und Simple Features - OEM/COM.
Das OGC und ISO haben das Feature als wesentliches Element erkannt und es in den Mittelpunkt ihrer grundlegenden Konzepte gerückt. Für Feature, als Geoobjekt verstanden, wird im General Feature Model (GFM) des ISO ein Regelwerk zur Modellierung von strukturierten Feature Types vorgegeben. Das GFM als Rahmenwerk zur einheitlichen Definition von Anwendungsschemata gewährleistet im Kontext mit anderen ISO/TC 211 Normen die Interoperabilität zwischen Systemen. In [BFW-09] sind diesbezügliche detaillierte Erläuterungen und Angaben zu den Simple Features des OGC zu finden.
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