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Textprobe:
Kapitel 7.1, Definition einer internationalen Währung:
Eine internationale Währung ist eine Währung, die außerhalb ihres Herkunftslandes benützt wird. Tabelle 7.1.1 veranschaulicht, dass die drei klassischen nationalen Funktionen von Geld – die Wertaufbewahrungsfunktion, die Zahlungsmittelfunktion und die Wertmessungsfunktion – auch auf internationaler Ebene angewandt werden können. Der Status einer Reservewährung ist also nur eine von mehreren Eigenschaften einer internationalen Währung, aber sie ist am leichtesten quantifizierbar und am relevantesten in Bezug auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten auch in Zukunft in der Lage sein werden, ihr enormes Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren.
Vorteile einer internationalen Währung
Chinn und Frankel unterstreichen vier Vorteile, die ein Land, das eine internationale Währung herausgibt, genießt. Sie nennen Komfort für die Einwohner, mehr Geschäft für inländische Banken und andere Finanzinstitutionen, Münzprägegewinne und politische Macht und Ansehen.
Komfort für die Landesbewohner:
Es ist offensichtlich sehr viel angenehmer für Exporteure, Importeure, Gläubiger und Schuldner eines Landes, ihre Geschäfte in der eigenen Währung abschließen zu können. Die weltweite Verwendung des Dollars ist, genauso wie jene der englischen Sprache, ein großer Vorteil amerikanischer Geschäftsleute, der schon fast als selbstverständlich empfunden wird.
Mehr Geschäft für inländische Banken und andere Finanzinstitutionen:
Es gibt zwar keine zwingende Verbindung zwischen der Währung des Bankgeschäfts und der Nationalität der Bank, aber es liegt nahe, dass US-Banken einen komparativen Vorteil bei in Dollar denominierten Geschäften haben, genauso wie z.B. britische Banken in Geschäften, die Pfund involvieren.
Münzprägegewinne:
Münzerlöse sind der wichtigste Vorteil einer von Ausländern gehaltenen Währung, da im Ausland Güter und Dienstleistungen produziert und verkauft und die Rückflüsse in die internationale Währung umgetauscht werden müssen, um in den Besitz der Währung zu kommen.
Münzprägegewinne sind zwar nicht hoch, wenn sie eng als nicht verzinste Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland definiert werden. Sie erreichen jedoch ein viel größeres Ausmaß, wenn sie als der „Übertriebene Vorteil“ der USA definiert werden, also als die Fähigkeit der Vereinigten Staaten hohe Mengen an niedrigverzinsten Schulden in der eigenen Währung aufzunehmen und gleichzeitig einen viel höheren Ertrag durch eigene Investitionen zu erzielen.
Möglicherweise würde der „Übertriebene Vorteil“ der USA bestehen bleiben, selbst wenn der Dollar seinen Status als führende internationale Währung verliert. Es erscheint jedoch möglich, dass der Verlust des einen auch zum Verlust des anderen führen könnte.
Politische Macht und Ansehen:
Großbritanniens Verlust der führenden internationalen Währung verlief zeitgleich mit dem Verlust der politischen und militärischen Vormachtstellung. So wie bei allen anderen oben genannten Vorteilen verläuft die Kausalität hier in beide Richtungen.
Nachteile einer internationalen Währung:
Chinn und Frankel nennen auch drei Nachteile, die dem Land, das eine internationale Währung ausgibt, erwachsen. Diese erklären auch die bisherige Zurückhaltung Japans und Deutschlands, ihre Währungen auch im Ausland halten und verwenden zu lassen, und warum China über die Auswirkungen einer beginnenden Internationalisierung seiner Währung besorgt ist.
Höhere Fluktuationen in der Nachfrage der Währung:
Obwohl es nicht offensichtlich ist, dass die Ausgabe einer internationalen Währung automatisch zu größeren Nachfragefluktuationen führt, lässt sich eine gewisse Relation der beiden Faktoren beobachten. Zentralbanken fürchten deshalb, dass die Internationalisierung es erschweren würde, die Geldmenge zu kontrollieren. Dieses Problem muss nicht auftreten, wenn Zentralbanken nicht auf dem Devisenmarkt intervenieren. Von Zentralbanken werden Fluktuationen im Wechselkurs allerdings ebenso wenig gern gesehen wie in der Geldmenge.
Erhöhung der durchschnittlichen Währungsnachfrage:
Die Erhöhung der durchschnittlichen Währungsnachfrage stellt die Schattenseite der Münzprägegewinne dar. In den 1960ern und 1970ern waren Japan und Deutschland daher besonders besorgt über eine mögliche Aufwertung ihrer Währungen. Die daraus resultierende Verteuerung von Exporten würde, so die Befürchtung, zu einer Minderung der Wettbewerbsfähigkeit inländischer Erzeugnisse führen. Genau das befürchtet heute auch China.
Verantwortung:
Die Währungsinstanzen des Ausgabelandes einer internationalen Währung können ihre Geldpolitik nicht nur inländischen Zielen widmen, sondern müssen auch die Auswirkungen ihrer Handlungen auf das Ausland berücksichtigen. Die amerikanische Zentralbank hat so die Zinssätze als Reaktion auf die Schuldenprobleme Lateinamerikas im zweiten Halbjahr von 1982 und 1998 stärker gesenkt als sie es sonst wahrscheinlich getan hätte. Einige Zeit hat unter anderen Argentinien eine offizielle Dollarisierung, also den Ersatz der nationalen Währung durch den US-Dollar, erwogen. Aufgrund der großen Verantwortung, die den USA daraus erwachsen wäre, reagierten die US-Behörden allerdings zurückhaltend.
Typische Eigenschaften einer internationalen Währung:
Typische Eigenschaften internationaler Währungen involvieren sowohl Produktions- und Handelsmuster und gut entwickelte Kapital- und Geldmärkte der Ausgabeländer, als auch Vertrauen der Bevölkerung in die Stabilität der Währung. Darüber hinaus spielen Netzwerkeffekte eine große Rolle.
Produktions- und Handelsmuster:
Jene Währungen, deren Ausgabeländer einen großen Anteil an internationalen Output und Handel innehaben, haben einen wichtigen natürlichen Vorteil. Gemessen an Output und Handel ist die USA die größte und Japan die zweitgrößte Wirtschaftsmacht. Trotz Befürchtungen einiger amerikanischer Analytiker war es allerdings nie sehr wahrscheinlich, dass Japan, ein Land mit der Hälfte der Bevölkerung und weit weniger Fläche und Rohstoffen, die Vereinigten Staaten in wirtschaftlicher Größe überholen könnte.
Seit kurzem wird in 13 Ländern innerhalb und in fünf Staaten außerhalb der Europäischen Union mit dem Euro bezahlt. Darüber hinaus haben 25 Länder ihre Währungen an den Euro gebunden, fünf davon werden schlussendlich der Europäischen Währungsunion (EWU) beitreten, 16 davon liegen in Afrika, drei im Pazifik und eines auf dem Balkan.
Das gemeinsame wirtschaftliche Gewicht der 13 Kernländer ist viel größer als jenes Deutschlands oder Japans alleine, und nicht ganz so groß wie das der Vereinigten Staaten. Falls die anderen drei Langzeitmitglieder der EU, Großbritannien, Schweden und Dänemark allerdings zur Europäischen Währungsunion beitreten würden, wäre die Euroregion wirtschaftlich etwa gleich stark wie die Vereinigten Staaten, und wenn sich die restlichen neun Länder, die im Zuge der Osterweiterung 2004 der Europäischen Union beitraten, auch der EWU anschließen würden, sogar größer als die US-Wirtschaft.
In manchen Fällen sind auch andere Aspekte relevant. Der Umstand, dass Öl und andere Rohstoffe, die zum Großteil in Dollar fakturiert werden, einen großen Teil von Japans Importen einnehmen und Exporte zumeist in die westliche Hemisphäre gehen, erklärt den unverhältnismäßig geringen Anteil des in Yen fakturierten Handels. Immer wenn der Dollar mehr als einige Jahre hintereinander abwertet, wird innerhalb der OPEC diskutiert, auf eine andere Währung zu wechseln. Das ist noch nicht geschehen, aber es könnte passieren, wenn die Vormachtstellung der US-Währung auch in anderen Aspekten ernsthaft herausgefordert würde.
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