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Kapitel 2.1.2, Beziehungsgeflecht der Markenstärke:
Das „Zusammenspiel“ der Markenstärkedimensionen ist bis heute nicht eindeutig konzipiert. Bekmeier-Feuerhahn konnte in ihrem einstufigen Kausalmodell zwar einen positiven Einfluss des Markenwissens auf die Markenstärke belegen, jedoch wurden die Beziehungen der einzelnen Dimensionen der Markenstärke nicht näher analysiert. Neuere komplexere Wirkungsmodelle berücksichtigen mehrere Wirkungsebenen. In diesen mehrstufigen Modellen können Beziehungen innerhalb des Markenstärkekonstruktes aufgezeigt werden. Esch und Andresen konnten mit ihrem Eisbergmodell unter anderem einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Markenbekanntheit und des Markenimages herstellen.
Das Markenimage hat wiederum einen bedeutenden Einfluss auf das Kaufverhalten nach der Studie von Kressmann/Herrmann/Huber/Magin.
Delgado-Ballester/Munuera-Alemán bewiesen in ihrer Studie unter anderem den Einfluss von Markenzufriedenheit auf das Markenvertrauen, welches zusätzlich vom Involvement beeinflusst wird.
Zusammenfassend sind aus den einzelnen Studien keine einheitlichen Wirkungszusammenhänge der Markenstärkedimensionen abzuleiten. Die Einbindung einzelner Konstrukte wird in den jeweiligen Wirkungsmodellen der verschiedenen Autoren aus unterschiedlichen Blickwinkeln dargestellt. Somit entstehen zahlreiche neue Beziehungsgeflechte, welche nicht in ein vollständiges Modell zu integrieren sind. Weiterhin variieren die untersuchten Dimensionen der Markenstärke einmal als abhängige und ein anderes mal als unabhängige Variable.
Außerdem werden bei manchen Studien zwischengelagerte Konstrukte, welche die Zielvariable mit beeinflussen, berücksichtigt, bei anderen hingegen werden solchen Moderatorvariablen wiederum keine Beachtung entgegengebracht.
Das Zusammenspiel verschiedener Wirkungsgrößen der Markenstärke gibt anhand der Literaturrecherche kein einheitliches Bild. Hieraus zeigen sich allerdings zum einen einzelne Wirkungszusammenhänge, welche Dimensionen der Markenstärke einen signifikanten Einfluss auf die verhaltensbezogenen Wirkungsgrößen der Markenführung haben. Zum anderen besteht die Möglichkeit die einzelnen Dimensionen in eine grobe Beziehungsstruktur zu bringen.
Daher lassen sich die verschiedenen analysierten Faktoren aus den Studien zu folgenden Dimensionen der Markenstärke zusammenstellen: Markenwissen (Markenbekanntheit und Markenimage), Markeninvolvement, Markenzufriedenheit Markenvertrauen. Folglich sollen diese Dimensionen in ein selbst erstelltes Beziehungsgeflecht eingeordnet werden.
Ausgehend vom S-O-R Ansatz soll das Beziehungsgeflecht mit den wahrnehmungsbedingten Dimensionen beginnen, welche die ersten psychischen Prozesse von Konsumenten aufgrund von Markierungen darstellen.
Die Wahrnehmung der Markierung entsteht zunächst durch das zuvor gebildete Markenwissen des Konsumenten. Dieses Markenwissen entspricht den Vorstellungen und Kenntnissen einer Marke in den Köpfen der Konsumenten. Solche Wissensstrukturen bestehen aus typischen Eigenschaften und standardisierten Vorstellungen von Objekten, Ereignissen und Situationen. Besser lassen sie sich durch Schemata bildlich vorstellen. Die Gedächtnisstrukturen sind hinsichtlich der Wirkung von Markierungen durch zwei wesentliche Konstrukte zu differenzieren: „Brand knowledge is conzeptualized according to an associative network memory model in terms of two components, brand awareness and brand image“.
Markenbekanntheit ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass bei Konsumenten klare Gedächtnisinhalte aufgebaut werden können. „It [Brand awareness] is related to the strength of the brand note or trace in memory, as reflected by consumers’ ability to identify the brand under different conditions“.
Im Hinblick auf die Untersuchung des Einflusses von Brand Communities auf die Markenstärke, ist anzunehmen, dass Markenbekanntheit im Markenstärkemodell als notwendige Bedingung vorausgesetzt werden muss. Ohne bestehende Markenbekanntheit ist eine Brand Community aus Sicht der Unternehmung nicht zu betreiben. Zum einen erschließen sich ohne Markenbekanntheit die weiteren wahrnehmungsbedingten Faktoren der Markenstärke nicht. Denn ohne Existenz der Marke im Gedächtnis des Konsumenten ergeben sich keine weiteren Verknüpfungen, wie Wissen oder im weiteren Schritt z.B. die Bildung eines Images über die Marke. Zum anderen gilt Markenbekanntheit gemäß der Definition als ein wesentliches Merkmal für Brand Communities. Die Dimension Markenbekanntheit soll demnach in dieser Untersuchung nicht weiter betrachtet werden.
Das Markenimage wird von zahlreichen Autoren auf unterschiedlichen Wegen interpretiert. Einig ist sich die Fachliteratur, dass das Markenimage auf Vorstellungen basiert, also auf dem Markenwissen aufbaut.
Das Involvement beeinflusst wiederum den Aufbau des Markenwissens. Ein hohes Involvement erhöht die Aktivierung des Konsumenten, welche die Informationsaufnahme und –verarbeitung verbessert. Die bereits angesprochenen Wissensschemata werden durch ein hohes Involvement besser im Gedächtnis gedeutet, so dass ein besseres klareres Wissen über Marken entstehen kann.
Das Involvement wird durch einen bestimmten Stimulus hervorgerufen und diese Erregung führt zu verstärkten Such-, Informationsverarbeitungs- und Entscheidungsprozessen. Vereinfachend könnte man das Involvement in niedriges und hohes Involvement differenzieren. Bei einem hohen Involvement werden neue Wissensstrukturen schneller in das bestehende Markenwissen integriert wodurch eine bessere Gedächtnisleistung erzielt wird. Damit hat das Involvement für den Aufbau von Markenwissen eine zentrale Bedeutung. Im Bezug zum S-O-R Schemas wird der Stimulus besser durch diese Aktivierung gesucht, gefunden und verarbeitet.
Haben sich die Gedächtnisstrukturen zu einer positiven Einstellung gegenüber der Marke entwickelt, so kann durchaus Zufriedenheit seitens des Kunden entstehen. Hinsichtlich der Zeitdimension kann man Zufriedenheit in zwei Arten unterscheiden. Danach kann einerseits Zufriedenheit als eine relativ konstante und damit dauerhafte Einstellung gegenüber eines Objektes aufgefasst werden, andererseits kann Zufriedenheit sich auf ein Zufriedensurteil beziehen, welches auf eine bestimmte Kauf -und Nutzungserfahrung basiert und somit nur von kurzer Dauer ist.
Im Rahmen des Untersuchungskontextes ist es weniger sinnvoll, die temporäre Zufriedenheitskomponente weiter zu untersuchen. Brand Communities sollen in erster Linie keine unbeständigen Zufriedenheitsurteile beeinflussen, sondern eher eine positive Einstellung zur Marke entwickeln, die auf Zufriedenheit basiert. Gerade im Zusammenhang mit der nachgelagerten Zielgröße der Markenstärke, die Markentreue, ist es sinnvoll, die Zufriedenheit eher als konstantes, stabiles Zufriedenheitsurteil zu sehen. Dieses Zufriedenheitsurteil ist aber wiederum auch abhängig vom bestehenden Image der Marke.
Markenzufriedenheit wird demnach auch vom Markenimage beeinflusst. Umgekehrt kann eine grundlegende Zufriedenheit auch eine positive Einstellung bezüglich der Marke bewirken.
Eine weitere wesentliche Größe der Markenstärke ist das Markenvertrauen. Markenvertrauen entsteht größtenteils aus dem vorgelagerten Konstrukt Markenzufriedenheit. Vertrauen zu einer Marke entsteht auf Basis gemachter, positiver Erfahrungen.
Ein bestehendes positives Zufriedenheitsurteil ist demnach die Basis für die Bildung von Vertrauen. Ebenso wird das Markenvertrauen durch das Markenwissen beeinflusst. Bei nicht selbständig erlebten Erfahrungen mit der Marke, kann der Konsument auf die Bekanntheit und das bestehende Image einer Marke zurückgreifen. Je ausgeprägter, positiver und vertrauenswürdiger die Gedächtnisstrukturen des Markenwissen ausfallen, desto stärker ist das Markenvertrauen. Bekanntheit alleine führt über den Mere-Exposure-Effekt zur Bildung von Markenvertrauen und –zufriedenheit.
Das Wirkungsgeflecht der Markenstärkedimensionen ist somit in einem groben Beziehungszusammenhang gestellt, welcher in Abb. 2 zu sehen ist. Abschließend sei zu den einzelnen Dimensionen der Markenstärke noch erwähnt, dass es zu den eher einseitig, einzelnen dargestellten Beziehungen auch gegenseitige Wechselbeziehungen zwischen den Dimensionen bestehen können. So wird das Markenvertrauen nicht nur vom Markenimage beeinflusst, sondern im Gegenzug kann das Markenvertauen auch das Markenimage beeinflussen.
Das Modell zeigt nicht nur die Interdependenzen zwischen den Größen der Markenstärke, sondern bildet die kausal nachgelagerten Dimensionen im Hinblick auf das S-O-R Schema mit ab. Diese kausal nachgelagerten Größen stellen im Modell die Ebene der Markentreue dar.
In dem Modell sind zusätzlich neben den wahrnehmungs- und verhaltensbedingten Größen ökonomische Markenwirkungen abgebildet, um die Wirkung der Markenstärke in Bezug auf die ökonomische Relevanz hinsichtlich der Zielsetzung dieser Arbeit aufzuzeigen.
Das Modell als Hilfsgerüst, um die ökonomischen Bedeutung von Brand Communities zu analysieren, steht.
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