|
Textprobe:
Kapitel 4.2, Die Bundesligisten entdecken IPTV:
2001 sagten Josef Hackforth und Michael Schaffrath voraus, dass in Zukunft "alle Angebote im (..) Fußball [über das Internet] zu sehen [sein werden]. Teilweise unentgeltlich, teilweise durch Gebühren, teilweise durch ein Abonnement".
Dass sich die Prognose schon bald bewahrheiten könnte, zeigt ein Blick auf die gegenwärtige Bundesliga-Berichterstattung. T-Home strahlt sämtliche Bundesliga-Spiele live im Netz aus. Auch einige Bundesligaklubs haben das Potenzial des Internet als audiovisuelle Plattform erkannt und sich mit eigenen Sendern auf dem zukunftsträchtigen IPTV-Markt niedergelassen.
Voraussetzung hierfür war die Entscheidung der Europäischen Kommission, deren Auswirkungen in Kapitel 3.4.4 beschrieben wurden. Den Vereinen wurde erstmals ein gewisses Maß an Autonomie - allerdings keine Exklusivität - bei der medialen Vermarktung der Bundesligaspiele eingeräumt. So durften sie bis zum 30. Juni 2006 90 Minuten nach Abpfiff audiovisuelle Zusammenfassungen der Partien zeigen. 24 Stunden nach Spielschluss konnten die Begegnungen re-live auf einem kostenpflichtigen Portal zur Verfügung gestellt werden. Seit dem ersten Juli 2006 ist den Klubs eine zeitversetzte Übertragung bereits direkt nach Spielende gestattet.
Infolge des Entschlusses setzte ein regelrechter IPTV-Boom ein. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der vorliegenden Arbeit (März 2008) sind bereits 19 der 36 Bundesligisten mit einem entgeltpflichtigen IPTV-Portal ausgestattet. Sieben der restlichen 17 Klubs warten mit einem kostenlosen Bewegtbildangebot auf der Vereinshomepage auf, das Interviews, Pressekonferenzen und Hintergrundberichte umfasst. Zehn Vereine offerieren kein audiovisuelles Material.
Bayern München, der schon vor der Kommissionsentscheidung, zu Beginn der Spielzeit 2003/04, mit einem eigenen Internetsender auf Sendung ging. FCB Champions hieß das Angebot, das mehrere Kanäle umfasste und unter anderem Hintergrundreportagen und Zusammenfassungen lieferte. Ferner konnten die Champions-Legue-Spiele des Vereins 90 Minuten nach Abpfiff in voller Länge konsumiert werden. Infolge des 19. Januar 2005 durften erstmals auch Bewegtbilder der Bundesligabegegnungen im Programm untergebracht werden. Für drei Monate bezahlte der Nutzer neun Euro, ein Jahresabo kostete 30 Euro.
Mit Beginn der Saison 2006/07 wurde FCB Champions vom neuen IPTV-Portal FCB.tv abgelöst. Mit der Etablierung des neuen Senders ging ein erweitertes Programmangebot einher. So können die Bundesligaspiele seither unmittelbar nach Abpfiff abgerufen werden. Der User zahlt für drei Monate zwölf Euro, für 6 Monate 20 Euro. Ein Jahresabonnement kostet 36 Euro. Genaue Userzahlen sind nicht bekannt. Nach einem Artikel des medienforum.magazins aus dem Jahre 2006 habe aber schon der Vorgänger von FCB.tv Gewinne erzielt.
Die einzelnen Sender sind inhaltlich sehr ähnlich konzipiert - das ist aus einem Vergleich der einzelnen Angebote hervorgegangen (Tabelle 12), auf den sich die folgenden Ausführungen beziehen. Sämtliche Klubspiele sind in der Regel re-live nach Spielende verfügbar. Ferner gehören Interviews mit Spielern und Trainern, Pressekonferenzen und Hintergrundreportagen zu den Programmschwerpunkten, deren Produktion in der Regel der Verein übernimmt.
Auch bei den Preisen zeigen sich keine großen Differenzen (Tabelle 12). Ein Monats-Abo kostet die Fans zwischen 3 und 4 Euro, für ein Jahresabonnement zahlen sie in der Regel 35 bis 40 Euro. Eine Ausnahme stellt Borussia Dortmund dar. BVB TV, so heißt der Internetsender des Vereins, ist Bestandteil des BVB CLUBs. Für eine jährliche Mitgliedschaft, die unter anderem zum Konsum der Bewegtbildinhalte berechtigt, müssen Fans rund 18 Euro hinlegen. Allerdings werden nur Höhepunkte der Klubspiele gezeigt. Auch im Media Center von Borussia Mönchengladbach sind nur Zusammenfassungen zu sehen. Der Zugang setzt eine Vereinsmitgliedschaft (60 Euro) voraus. Ein Abonnement von Bezahlsender Premiere, das zum Konsum aller Bundesligaspiele berechtigt, kostet derzeit etwa 20 Euro pro Monat.
Viele der Vereine kooperieren im IPTV-Bereich mit der Deutschen Telekom und ihrem Angebot T-Home. Aber auch Maxdome ist im IPTV-Bundesliga-Geschäft aktiv, arbeitet hier mit den Vereinen Werder Bremen und FC Schalke 04 zusammen. Letzterer stieg Ende Januar 2007 nach dem FC Bayern, dem Hamburger SV (HSV Players Lounge) und dem BVB mit Schalke 04 TV als vierter Klub in den IPTV-Markt ein. Weitere Vereine folgten: Nahezu monatlich wurde der Sendestart vereinseigener Programme verkündet. Zuletzt, Ende Februar 2008, gründeten der VfL Bochum (vfl1848.tv) und die SpVgg Greuther Fürth (Kleeblatt TV) eigene Portale (Tabelle 12).
Ist das Ende der Fahnenstange damit erreicht oder werden weitere Vereine folgen? Werden in Zukunft sämtliche Profiklubs IPTV-Sender betreiben? Mit welchen Auswirkungen wäre in einem solchen Fall zu rechnen? In Anbetracht der rasanten Entwicklung und der Regelmäßigkeit der Etablierung vereinseigener IPTV-Kanäle ergeben sich Fragen, deren Beantwortung Gegenstand der nachfolgenden empirischen Untersuchung ist.
|