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Ist Europa ein optimaler Währungsraum?

Eine Analyse unter Berücksichtigung der EU-Osterweiterung

Alexander Charles
Bachelorarbeit März 2008, 59 Seiten, 961,6 KB , Note 2,1, Sprache Deutsch
Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
Literatur- und Quellenangaben: ca. 91
Schlagworte: OCA-Theorie, Europäische Währungsunion, Optimum Currency Area, Währungsgebiet, Euroraum
Inhaltsangabe und Inhaltsverzeichnis:

Einleitung:

Bereits im Jahr 1961 stellte Robert A. Mundell fest: „The optimum currency area is not the world“ und legte zeitgleich den Grundstein zur Theorie optimaler Währungsräume, im folgenden OCA-Theorie (Optimum Currency Areas-Theorie) genannt. Die OCA-Theorie untersucht, unter welchen Voraussetzungen der Verzicht auf den Wechselkurs als Anpassungsinstrument auf exogene Schocks innerhalb eines gemeinsamen Währungsraumes, die später näher erläutert werden, sich als akzeptabel und unter Umständen als vorteilhaft erweisen kann.

Im Allgemeinen versteht man unter einem Währungsraum ein geografisches Gebiet, in dem eine einheitliche Währung anerkannt ist. Dieses Gebiet kann sich auf einen Staat beschränken oder mehrere Länder umfassen. Sofern das Gebiet mehrere Länder umfasst, handelt es sich um eine Währungsunion, wie beispielsweise die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU).

Das Kriterium der Optimalität ist gekennzeichnet durch das Erreichen eines internen und externen Gleichgewichts für das gesamte Währungsgebiet. So ist ein optimaler Währungsraum durch eine niedrige Inflation und niedrige Arbeitslosigkeit definiert (internes Gleichgewicht) und zugleich durch eine möglichst ausgeglichene Zahlungsbilanz (externes Gleichgewicht).

Aufgrund der Tatsache, dass innerhalb einer Währungsunion unwiderruflich fixierte Wechselkurse zwischen den Teilnehmerstaaten vereinbart sind und zugleich flexible Wechselkurse zur übrigen Welt existieren, besteht das größte Problem einer Währungsunion darin, die oben genannten wirtschaftspolitischen Ziele unter Aufrechterhaltung eines fixierten Wechselkurses zu erreichen und zu erhalten. Dieses Problem ergibt sich verstärkt aus einer wachsenden Teilnehmeranzahl einer Währungsunion.

Im Falle der EWWU wäre hier die Erweiterung der Europäischen Union (EU) zu betrachten und auf ihre Auswirkungen zu untersuchen. Die EU-Erweiterungen im Jahr 2004 und 2007 vergrößerten die Europäische Union um zehn mittel- und osteuropäische Länder (MOEL). Durch die Übernahme des Acquis Communautaire ist eine Einführung des Euros für diese Länder unabdingbar. Slowenien konnte als erstes Land der EU-Osterweiterung am 1. Januar 2007 den Euro als offizielles Zahlungsmittel einführen. Die im weiteren Verlauf zu betrachtenden und zu untersuchenden MOEL beschränken sich hier auf die verbleibenden sieben Mitgliedsstaaten (MOEL-7) der ersten EU-Erweiterung vom 1. Mai 2004: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn, sowie auf die zwei jüngsten Mitgliedsstaaten vom 1. Januar 2007: Bulgarien und Rumänien.

Durch die zukünftige Integration der MOEL in die Europäische Währungsunion (EWU) ergeben sich u. a. folgende Fragen: Welche Voraussetzungen sind für eine EWU-Teilnahme zu erfüllen? In wieweit scheinen die MOEL zur Teilnahme an der Europäischen Währungsunion geeignet zu sein? Wann ist mit einem Beitritt der einzelnen Volkswirtschaften zu rechnen? Welche Änderungen ergeben sich durch die Teilnahme der MOEL an der EWU, für die derzeitigen EWU-Teilnehmer und für die MOEL selbst? Und stellt die zukünftige EWU einen optimalen Währungsraum dar?

Ziel dieser Arbeit ist es, unter Rückgriff auf die OCA-Theorie Antworten auf die gestellten Fragen aufzuzeigen. Auf diesem Wege werden deshalb in Kapitel 2 zunächst die Ursprünge und grundlegenden Ansätze der OCA-Theorie erörtert. Kapitel 3 liefert dann einen Überblick über die derzeitigen und zukünftigen EWU-Teilnehmerstaaten und gibt die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Euro-Einführung an. In Kapitel 4 wird die Eignung der MOEL zur Teilnahme an der EWU unter Berücksichtigung der Maastricht-Kriterien und der OCA-Theorie analysiert, um im Fazit die zentrale Frage nach der Optimalität des zukünftigen europäischen Währungsraumes zu beantworten.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
Symbolverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Die Theorie optimaler Währungsräume 2
2.1 Feste vs. flexible Wechselkurssysteme 3
2.2 Symmetrische und Asymmetrische Schocks 4
2.3 Die traditionellen Ansätze 6
2.3.1 Faktormobilität 6
2.3.2 Offenheit 8
2.3.2 Diversifikation 11
2.4 Der integrative Ansatz: Kosten-Nutzen-Analyse 11
2.4.1 Kosten einer Währungsunion 12
2.4.2 Nutzen einer Währungsunion 13
3. Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion 14
3.1 Die Mitgliedsstaaten der EWWU im Jahr 2008 15
3.2 Nominale Konvergenz: Die Maastricht-Kriterien und der Stabilitäts- und Wachstumspakt 16
3.3 Reale Konvergenz: Realwirtschaftliche Strukturen und Lebensstandards
4. Die EU Osterweiterung 21
4.1 Die MOEL im Fokus der Maastricht-Kriterien 22
4.2 Die MOEL im Fokus der Theorie optimaler Währungsräume 26
4.2.1 Asymmetrische Schocks 26
4.2.2 Faktormobilität 30
4.2.3 Außenhandel: Offenheit und Diversifikation 34
4.2.4 Wechselkursregime 38
4.3 Änderungen des makroökonomischen Entscheidungsrahmens für die Eurozone und die MOEL durch die EU-Osterweiterung 39
5. Fazit 43
Anhang 46
Literaturverzeichnis 47
Eidesstattliche Versicherung 54

Textprobe:

Kapitel 2.2, Symmetrische und Asymmetrische Schocks:

Ein exogener Schock ist ein nachhaltiger und unerwarteter realwirtschaftlicher Impuls auf der aggregierten Angebots- bzw. Nachfrageseite, wie beispielsweise eine massive Verteuerung von Rohöl. Anhand dieses Beispiels wird ersichtlich, dass Länder ohne eigene Förderung wesentlich stärker von diesem Impuls betroffen sind als Länder mit nationalem Vorkommen. Aufgrund der unterschiedlichen Wirkung handelt es sich um einen asymmetrischen Schock. Dagegen verursacht ein symmetrischer Schock gleichgerichtete Wirkungen in den Mitgliedsstaaten einer Währungsunion aufgrund einer hohen Korrelation zwischen den Konjunkturzyklen der Währungsunionsteilnehmer.

Bei Auftreten eines permanenten positiven Nachfrageschocks kommt es zu einer Rechtsverlagerung der Nachfragegeraden D, wodurch sich ein kurzfristiges Gleichgewicht in gestiegenen Preis- und Einkommensniveau.

Langfristig steigt das Preisniveau aufgrund des vertikalen Verlaufs der langfristigen Angebotsgeraden auf 2P und das Einkommen kehrt zum Ursprungsniveau zurück: 20YY. Auf lange Sicht wirkt sich ein Nachfrageschock lediglich auf das Preisniveau aus, das Beschäftigungsniveau bleibt unverändert. Dagegen ändert ein positiver Angebotsschock sowohl das kurzfristige als auch das langfristig aggregierte Angebot und wirkt sowohl auf das Preis- als auch Einkommensniveau. Bayoumi, Eichengreen haben das Konzept der Symmetrie der Störungen ein-geführt und stellen dar, dass bei symmetrischen Schocks auf Wechselkursänderungen verzichtet werden kann, da gleichgerichtete geldpolitische Maßnahmen der Zentralbank zum Ursprungsgleichgewicht führen. Bezogen auf die Abgrenzung eines optimalen Währungsraumes, sind eine hohe Korrelation der Konjunkturzyklen und eine hohe Anpassungsgeschwindigkeit an exogene Schocks ein übergeordnetes Kriterium. Sofern asymmetrische Schocks auftreten, die nicht bzw. nicht effektiv durch alternative Anpassungsmechanismen ausgeglichen werden können, entsteht ein Anpassungsdruck auf den nominalen Wechselkurs. Um die Kosten des Verzichts auf flexible Wechselkurse messbar zu machen, haben die beiden oben genannten Ökonomen einen Index entworfen, der die jeweiligen Unterschiede der Handelsstruktur eines Landes mit denen der anderen Mitgliedsstaaten misst. Es ist zu beachten, ob Asymmetrien zwischen den potentiellen Mitgliedern bestehen und ob sich bestehende Asymmetrien durch eine Währungsunion abbauen lassen. Hierbei ist auf eine mögliche Zunahme von inter- bzw. intra-industriellem Handel einzelner Volkswirtschaften eines Währungsraumes zu achten. Während inter-industrieller Handel aufgrund eines gesteigerten Spezialisierungsgrades die Wirkung asymmetrischer Schocks verstärkt, bewirkt intra-industrieller Handel besonders nach Einführung einer Währungsunion tendenziell eine konjunkturelle Anpassung der Mitgliedsstaaten.

Link zur Arbeit: http://www.diplom.de/katalog/arbeit/11321
Arbeit zitieren: Alexander Charles März 2008, Ist Europa ein optimaler Währungsraum?, Diplomica GmbH, Hamburg
Bestellmöglichkeiten und Preise:

Bezugspreis eBook (PDF-Datei) per Download: EUR 38,00 inkl MwSt.
Bestellnummer: ISBN 978-3-8366-1321-7
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